Perfekter "Hochstapler"
Generalintendant Michael Grosse begeistert als Schauspieler
Alle Achtung. Unser Theater darf sich eines Intendanten glücklich schätzen, der weiß, wie’s geht: das Auf-der-Bühne-Stehen, im Rampenlicht, allein. Nur Körper, Stimme, Aura. Ja, Michael Grosse beherrscht das Handwerkszeug des Schauspielers – meisterlich, wie man nach der Premiere von „Ein Hochstapler erzählt“ weiß. (…) Keine fünf Minuten, und das Publikum ist gefangen von dem Mikrokosmos, den Michael Grosse mit sprachlicher Virtuosität, Intelligenz und äußerst delikaten schauspielerischen Mitteln im schwarzen Raum zwischen Zuschauerreihen und drei krummbeinigen Stühlen entstehen lässt. (…) Schließlich gerät die berühmte Musterungsszene, jenes entlarvend-komische Zwiegespräch zwischen dem eine Epilepsie markierenden Jüngling und dem knarzenden Stabsarzt zum Höhepunkt des einstündigen Soloabends, in dem sich Grosse als Meister der Imitation, des Rollenwechsels und der Parodie zeigt. Das Publikum ist baff, begeistert, amüsiert und entbiete mit reichlich Applaus dem Intendanten als Schauspieler seine Hochachtung.
[Rheinische Post, 31.10.2011]
Grosse lässt den Hochstapler funkeln
Temporeich interpretiert der Intendant Thomas Manns Charakter bei seinem Soloabend
Nein, Thomas Mann schrieb nicht schlicht und schnörkellos. (…) Doch wenn der Generalintendant des Stadttheaters, Michael Grosse, mit den Original-Worten des N obelpreisträgers aus dem Leben des Hochstaplers Felix Krull erzählt, dann ist der Text elegant und man folgt ihm mühelos. Denn Grosse gibt den wechselnden Rhythmen Atem, wechselt Ton und Tempo. Den agierenden Charakteren verleiht er mit sparsamen, klug eingesetzten Mitteln – stimmlich und mimisch – markanten Ausdruck. An diesem Abend funkelt und strahlt Manns Roman wie ein frisch geschliffener Edelstein. (…)
[Westdeutsche Zeitung, 31.10.2011]
Voll verwendungsfähig
Mit "Ein Hochstapler erzählt" überzeugt Intendant Michael Grosse als Schelm, Charmeur und Schauspieler
(...) Das Publikum, zahlreich von der Neugier ins Theater getrieben, dankte mit Applaus und Bravo-Rufen. (...) So hintergründig Thomas Mann den Künstler zum Betrüger macht, so schelmisch spielt Michael Grosse mit der verführerischen Blendkraft des Theaters. (...) Handwerklich gelingt dem Intendanten ein Meisterstück: (...) Mit spielerischer Leichtigkeit wechselt er Ton und Tempo, ändert mitten im Satz die Richtung, setzt gekonnt Pointen. Parodie und Imitation nutzt er nur sparsam, was die Ausflüge ins Alberne umso witziger werden lässt. Überhaupt hat man den guten alten Thomas Mann selten so unverkrampft komisch und gut aufgelegt erlebt.
Den gestelzten Bandwurmsätzen des Nobelpreisträgers, in denen man sich beim Hören leicht verlieren könnte, verleiht Grosse scheinbar unangestrengt Rhythmus und Energie. Höhepunkt der Aufführung, die man eins zu eins als unterhaltsames Hörbuch produzieren könnte, wird Krulls Musterung. Der Künstler Grosse verdient sich damit den höchsten Tauglichkeitsgrad der Intendantenlaufbahn: voll verwendungsfähig.
[Westdeutsche Zeitung, 26.10.2010]
Intendant als Felix Krull
Ein Abend so prickelnd wie Champagner: Michael Grosses Thomas-Mann-Abend hatte Premiere im Theaterfoyer. Mit unerschöpflichem Mienenspiel und komödiantischer Lust schlüpfte er in die Rolle des Hochstaplers Felix Krull.
Wer minutenlang den Korken einer Sektflasche beschreiben kann, ohne die Zuhörer zu langweilen, der beherrscht sein Metier. (...) Es ist ein Soloabend für einen Komödianten. (...) Es ist eine Lust, wie Grosse mit variationsreicher Stimme die vergnügungssüchtige Gesellschaft beschreibt, wie er in einstündigem Monolog den Ton des katzbuckelnden Vaters und des beherzten Paten Schimmelpreester trifft, wie er die selbstgefällige Haltung des Heldentenors Müller-Rosé annimmt und dann in die maßlose Enttäuschung des jungen Felix gleitet, als der den strahlenden Stern der Operettenbühne völlig entzaubert in der Garderobe hocken sieht – in Trikot-Unterwäsche und mit Pickeln.
Grosse lässt nur kurz nachhallen, was zwischen Thomas Manns Zeilen steckt: das Theater als Illusionsbetrieb, der ironische Blick auf die Künstler, der Seitenhieb auf die Entwicklungsromane seiner Zeit und autobiografische Wimpernschläge.
Seit 1984 tritt Michael Grosse mit dem „Felix Krull“ auf. Diese Vertrautheit ist spürbar. Von Routine gibt es kaum eine Spur. Das zeigt sich im Höhepunkt des einstündigen Abends: der Musterungsszene. Den rigorosen Regimentsarzt, den näselnden Assistenten und den pfiffigen Krull, der mit einer List seine Ausmusterung erreicht, lässt Grosse so schillern, dass er mit Szenenapplaus belohnt wird. (...) Mit dem Thomas-Mann-Abend serviert er Champagner, auch wenn es um Loreley extra Cuvée geht.
[Rheinische Post, 26.10.2010]