Der Lindgren-Klassiker begeistert im Theater die Zuschauer – große und kleine.
Als Ronja Räubertochter ihren Frühlingsschrei ausstößt und das Theaterstück damit beendet, bricht tosender Applaus aus. Die Inszenierung von Jugendtheater-Profi Gerald Gluth-Goldmann hat große und kleine Zuschauer mitgerissen. Viel Musik, Wortwitz und Situationskomik haben ein kindgerechtes Theatererlebnis geschaffen, bei dem auch nachdenkliche Töne nicht zu kurz kamen. Fazit: Das Theater hat wieder ein echtes Highlight im Programm. […] Bei der Besetzung hatte man eine glückliche Hand. So gibt beispielsweise Marco Jorge Rudolph einen Räuberhauptmann, wie er im Buche steht – stark wie ein Bär, stur wie ein Esel und mit dem entsprechenden Körperumfang ausgestattet. Vivian Delekta-Dörr und Daniel Heck verkörpern Ronja und ihren Freund Birk mit jugendlichem Charme und großer Energie. Von allen Schauspielern wurde verlangt, dass sie ein Instrument beherrschen. […] Sie [die Musik] wurde extra für diese Inszenierung von Michael Kaden komponiert, der auch als Räuber mit auf der Bühne steht und Akkordeon spielt. Die schwungvollen Melodien gehen ins Ohr. Lustig geht es zu: Die kleinen Zuschauer begeistern sich sehr für die Schimpfszenen, in denen sich Borka- und Mattisräuber gegenüberstehen, aber auch der Slapstick der anschließenden Kämpfe oder die Waschszene, in der die Räuber in Frauenkleidern auftreten, singen und tanzen, sorgt für viel Gelächter. Die winzigen Rumpelwichte haben das Zeug zu Publikumslieblingen. Die Inszenierung verzichtet auf den Versuch, eine perfekte Illusion zu erzeugen: Die Graugnome bauen die Bühne um, und auch bei den Rumpelwichten ist zu erkennen, dass die Schauspieler auf Knien spielen. Der Räuber Glatzen-Per stirbt in einer Szene, um gleich darauf als Erzähler weiterzumachen. So ist immer sichergestellt, dass die kindlichen Zuschauer Theater und Realität unterscheiden können. Das Bühnenbild von Martin Fischer tut ein Übriges. Es verzichtet auf eine naturgetreue Nachbildung und schafft mit Licht, Schnee und Nebel eine Atmosphäre, die zum poetischen Märchen vom Erwachsenwerden passt.
[Westdeutsche Zeitung Mönchengladbach, 9. November 2011]


